Wohin mit mir?

Wer war in Finnland auf Schusters Rappen unterwegs und kann uns von den schönsten Wanderrouten und Elchbegegnungen berichten?

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Yamamoto
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Wohin mit mir?

Beitrag von Yamamoto » #1 »18. Dez 2018 18:59

Einen wunderschönen guten Abend,

der Titel lässt das wichtigste schon erahnen: Miine Freundin und ich sind auf der Suche nach einem Reiseziel für den nächsten Sommer. Angedacht ist eine Trekkingtour durch Finnisch Lappland.

Eckdaten:
- Zeitrahmen: ca. 14 Tage (wir lassen uns aber gern Zeit, somit würde ich großzügig planen); Mitte-Ende August
- Wandererfahrung ist vorhanden (u.a. Tour durch den Yllastunturi-Nationalpark im September); bis ca -5 °C bewährte Ausrüstung ebenfalls

Wünsche:
- landschaftlich abwechslungsreich mit viel Wasser, "Bergen" und Wäldern
- mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar - für lange Taxifahrten reicht das Budget nicht aus
- und - natürlich - möglichst einsam

Bei meiner eigenen Suche bin ich auf eigene Gebiete gestoßen:
- der Urho Kekkonen Nationalpark
Landschaftlich sicherlich wunderschön. Das dichte NEtz an Hütten und Feuerstellen macht auf mich aber den Eindruck einer sehr stark begangenen Gegend. Stimmt das auch außerhalb der Hauptrouten nahe der Starkpunkte? Oder wird es im Inneren des Parks ruhiger?

- die Wilderness Areas von Muotkatunturi und Hammastunturi
Landschaftlich scheinbar ebenfalls sehr reizvoll. Auf rettikarta sind allerdings nur sehr wenige Wege eingezeichnet. Existieren ggf Karten mit ausführlicheren Wegenetzen? Und hat hier jemand Erfahrung bezüglich des weglosen Wanderns in diesen Gebieten? Im Yllastunturi-Park war das insbesondere in den südlichen Gebieten aufgrund der Moorflächen ja nur mäßig empfehlenswert.

Für Erfahrungen und TIpps wäre ich sehr dankbar - gern auch Anregungen zu anderen, möglicherweise passenden Gebieten.

Viele Grüße,
Yamamoto

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Sapmi
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Re: Wohin mit mir?

Beitrag von Sapmi » #2 »19. Dez 2018 14:27

Hei.
Mir kommt da spontan der Kevo in den Sinn, d.h. entweder Kevo-Pfad oder Kuivi(Guivi)-Runde oder ggf. eine Kombination.
http://www.luontoon.fi/kevo/reitit?inheritRedirect=true
(englisch: http://www.nationalparks.fi/kevo/trails ... irect=true)

Das dauert zwar keine 14 Tage, ist aber landschaftlich schön und abwechslungsreich (insbesondere die diversen Auf- und Abstiege auf der Strecke Ruktajärvi-Fiellu), da man durch unterschiedliche Vegetationszonen läuft. Die Wege sind durchgehend markiert und dürfen im Naturschutzgebiet nicht nennenswert verlassen werden. Wie es in der 2. Augusthälfte dort aussieht, weiß ich nicht, aber so bis Mitte August trifft man dort schon auf einige andere Leute, vor allem die Ruktajärvihütte kann (muss aber nicht) evtl. stark frequentiert sein. Aber ein Zelt habt Ihr ja dabei.

Vom UKK kenne ich selbst nur den vorderen Bereich, gehe aber davon aus, dass es weiter "hinten", wo es auch keine markierten Wege gibt, ziemlich ruhig ist.

Muotkatunturi: Dort gibt es gar keine markierten Wege, aber es gibt Trampelpfade, die wohl in etwa den gestrichelten Linien bei retkikartta entsprechen. Bin dort nie unterwegs, weil ich allein wandere und daher sicherheitshalber nur einigermaßen markierte Pfade wähle. Vom Gelände her soll die Gegend aber relativ leicht zu begehen sein, und es gibt ja auch die eine oder andere Hütte dort.
Bester Ausgangspunkt ist das Hüttendorf Muotkanruktu, dort könnt Ihr auch direkt vor einer Tour nochmal nachfragen. www.muotkanruoktu.com

Im Nordosten gäbe es dann noch das Gebiet Kaldoaivi, grob nord-nordwestlich von Sevettijärvi. Den sog. Saamenpolku - ein Rundweg über Näätämö und auf der anderen Seite der Straße zurück - gibt es leider seit ein paar Jahren nicht mehr, d.h. die Schilder wurden abmontiert und die diversen überdachten Feuerstellen abgerissen, aber der Weg existiert sicher noch, vermutlich auch noch die Holzpflöcke mit der Markierung, nur wird man sich auf die nicht mehr verlassen können. Es war jedenfalls vor allem auf der nördlichen Seite der Straße ein sehr schöner Weg, ich war 2015 zum letzten Mal dort, da gab es ihn noch. Er verläuft von Sevettijärvi aus zunächst mit einem anderen, noch existierenden Wanderweg zusammen, dem Sevettijärvi-Pulmanki-Pfad, der nach Norden zum Pulmankijärvi (20 km südlich von Nuorgam) führt und an dem es auch viele Hütten gibt. In der Gegend sind im Allgemeinen eher nicht so viele Leute unterwegs, außer seinerzeit an der Opukasjärvihütte, die aber mittlerweile abgebrannt ist.

Im westlichen Lappi gäbe es natürlich auch noch die Gegend um Kilpisjärvi, die landschaftlich sehr schön ist und eben auch die höchsten Erhebungen des Landes zu bieten hat. Die Route zum Halti (ca. 50 km ab Kilpisjärvi) ist heute wohl noch stärker begangen als bei meiner Wanderung dorthin vor 15 Jahren (bin seitdem immer mal wieder in der Gegend unterwegs gewesen), aber es gibt ja auch dort Varianten an nicht-markierten (schwarz-gestrichelten) Wegen, falls Euch das interessiert.
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André
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Re: Wohin mit mir?

Beitrag von André » #3 »19. Dez 2018 16:19

Sapmi hat Euch ja schon eine Topantwort geschrieben.

Kevo: ist mir auch spontan in den Sinn gekommen. Allerdings empfinde ich ihn schon als stark frequentiert. Es sind dort vor allem Finnen unterwegs. Ich war dort mal Ende August und zumindest die Raststätte Fiellun kammi war mit Schlafplätzen und sogar Zeltplätzen ziemlich ausgelastet. Es dürften um die 40 Personen dort gewesen sein. Aber die Strecke ist wirklich schön.

Urho-Kekkonen-Nationalpark: Ist jenseits (östlich) der markierten Wege sehr ruhig und auch landschaftlich sehr schön. Auch die Strecke zum südlich gelegenen Sompiosee ist ruhig. Auf den markierten Wegen ist ziemlich viel Betrieb, besonders im Bereich vom Kiilopää. Trotzdem wäre der UKK meine Empfehlung Nr. 1 an Euch, da er sehr einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist und im Gegensatz zum Kevo fast durchgängig frei begehbar ist.

Muotkatunturi: Ist weitestgehend wegelos. Anfängern wird abgeraten, vor allem weil man fast keinen Brennstoff findet. Ihr könnt Euch zahlreiche Videos zu allen Jahreszeiten auf diesem Kanal ansehen: Harri Pulli In den Muotkatunturis gibt es nur wenig Wald/Gehölz.

Käsivarsi-Wildmark: Bei Kilpisjärvi. Auf der Strecke zum Halti trifft man um diese Jahreszeit große Wandergruppen, aber schon einen Kilometer abseits der Wanderwege ist es ruhig. Kilpisjärvi ist von finnischer Seite aus allerdings langwierig und teuer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Der nächste Flughafen liegt in Kittilä. Ich würde das nächste Mal, wenn ich dort hingehe schauen ob es nicht günstiger ist über Tromso in Norwegen dort hin zu fahren. Auch im Käsivarsi gibt es kaum Wald, aber ein gutes Hüttennetz. Dafür könntet Ihr dort die Anführungszeichen von den "Bergen" weglassen, vor allem, wenn Ihr die schwedische und norwegische Seite mit einplant.

Zum Thema wegeloses Gehen: Es braucht ein wenig Erfahrung um im wegelosen Bereich seinen Pfad zwischen Blocksteinfeldern und Sümpfen zu finden. Studiert die Karten genau und plant kleine Tagesabschnitte. Ich plane im wegelosen Bereich mittlerweile nur noch maximal 12 km am Tag. Dieses Jahr war ich im Käsivarsi unterwegs und habe einmal für eine Strecke im Poroenotal, die gerade mal 10 km bemessen hat 10 Stunden gebraucht. Als ich dann in ein parallel dazu liegendes, allerdings trockeneres Tal gewechselt habe, ging alles plötzlich viel schneller obwohl ich erst über eine Bergkette rübermusste. Plant zusätzliche Ausruhetage ein. So kann man seine Sachen trocknen und bei Bedarf wieder zu Kräften kommen. Wenn Ihr schon erste Erfahrungen im Ylläs-Nationalpark gemacht habt, solltet Ihr jedoch auch im wegelosen Bereich der Muotkatunturis oder im östlichen UKK problemlos zurechtkommen.

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Sapmi
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Re: Wohin mit mir?

Beitrag von Sapmi » #4 »19. Dez 2018 16:52

André hat geschrieben:
19. Dez 2018 16:19
Kilpisjärvi ist von finnischer Seite aus allerdings langwierig und teuer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Der nächste Flughafen liegt in Kittilä. Ich würde das nächste Mal, wenn ich dort hingehe schauen ob es nicht günstiger ist über Tromso in Norwegen dort hin zu fahren.
Ja, Tromsø ist auf jeden Fall gut (2,5 Stunden mit dem Bus entfernt, allerdings fährt der Bus früh morgens in Tromsø ab, d.h. man muss eine Übernachtung einlegen) und die Flüge mit SAS dorthin sind auch meist günstiger als die Flüge nach Kittilä, dort bin ich im Sommer überhaupt noch nicht hin- oder abgeflogen. Auf finnischer Seite ist dann m. E. Rovaniemi besser. Die Busfahrt ist zwar etwas länger, aber wenn man vielleicht sonst noch was auf finnischer Seite machen will, könnte das besser passen.
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Yamamoto
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Re: Wohin mit mir?

Beitrag von Yamamoto » #5 »20. Dez 2018 16:43

Vielen Dank zunächst für eure Antworten,

es wird dann wohl tatsächlich auf den UK-Park mit Fokus auf den östlichen Teil hinauslaufen. Meine Hauptsorge war hier wirklich der Trubel, aber dann würden wir uns eher in den östlichen Teil stürzen.
Ein paar Fragen haben sich aber noch ergeben: Auf Rettikarta ist ein BEreich unmittelbar an der Grenze als SPerrgebiet eingezeichnet - ebenso allerdings Fußwege, die direkt am Rand dieses Gebiets verlaufen. Sind diese Wege gefahrlos nutzbar? Oder müsste man sich auf eine Unterhaltung mit der Finnischen Grenzpolizei einstellen, wenn man sie nutzt?

Außerdem habe ich eine STruktur gefunden, die ich auf den ersten Blick nicht zuordnen konnte und in meiner LEgende nicht auftaucht: Durch das Gebiet ziehen sich lange, zum Teil schnurgerade Linien mit Punkten in kurzen Abständen (erkennbar ab mittlerer VErgrößerung z.B. unmittelbar an der Grenze des Sperrgebiets). Sind das Rentierzäune? Oder potentielle Wege?

Nochmals Vielen Dank,
Yamamoto

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Re: Wohin mit mir?

Beitrag von Sapmi » #6 »20. Dez 2018 20:24

Yamamoto hat geschrieben:
20. Dez 2018 16:43

Ein paar Fragen haben sich aber noch ergeben: Auf Rettikarta ist ein BEreich unmittelbar an der Grenze als SPerrgebiet eingezeichnet - ebenso allerdings Fußwege, die direkt am Rand dieses Gebiets verlaufen. Sind diese Wege gefahrlos nutzbar? Oder müsste man sich auf eine Unterhaltung mit der Finnischen Grenzpolizei einstellen, wenn man sie nutzt?
Ich weiß jetzt nicht genau, welche Stelle Du meinst. Dieses Sperrgebiet zwischen den lilafarbenen breiten Linien ist jedenfalls die Grenzzone, die man ohne Genehmigung nicht betreten darf. Ich war mal auf einem (markierten, also auf retkikartta rot anzeigbaren) Wanderweg (im Südosten des UKK-NPs) unterwegs, der bis an die Grenzzone reicht, die dort auch nur ca. 1 km breit ist. Dort war kein Zaun, aber es stand ein großes Schild dort + einige der Bäume waren mit solchen gelben Bändern versehen. Ich habe nicht getestet, was passieren würde, wenn man da einfach weiter in den Wald laufen würde :mrgreen: , der Wanderweg macht dort auch eine Kehre über eine Brücke und entfernt sich dann wieder von der Grenze entfernt. Etwas nördlich davon steht ja auch der bekannte Korvatunturi genau in dem Grenzstreifen, dort gibt es einen markierten Weg bis dorthin, aber für den restlichen Weg (der nicht markiert, aber sicher gut sichtbar ist) zum Berg braucht man irgendeine Genehmigung (weshalb ich auch immer noch nicht dort war :wink: )
Außerdem habe ich eine STruktur gefunden, die ich auf den ersten Blick nicht zuordnen konnte und in meiner LEgende nicht auftaucht: Durch das Gebiet ziehen sich lange, zum Teil schnurgerade Linien mit Punkten in kurzen Abständen (erkennbar ab mittlerer VErgrößerung z.B. unmittelbar an der Grenze des Sperrgebiets). Sind das Rentierzäune? Oder potentielle Wege?
Das sind keine Wege, sondern offenbar alles Zäune.
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