Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Wer war in Finnland auf Schusters Rappen unterwegs und kann uns von den schönsten Wanderrouten und Elchbegegnungen berichten?

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Tenhola
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Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Tenhola » 6. Okt 2012 18:26

Wie jedes Jahr begann meine Lapplandreise mit einer Zugfahrt von Tampere nach Rovaniemi. Mein nächstes Ziel war Inari wo ich zuerst einmal Quartier bezog. Trotz schlechtem Wetterbericht entschloss ich mich dann, meine geplante Tour im Gebiet Kaldoaivi zu starten. Da die Tour in Nuorgam begann und in Sevettijärvi endet, liess ich das Auto in Inari. Um diese Jahreszeit verkehrt auf der Strecke nur einmal ein Bus pro Tag und der startet in Inari erst um 22:00 Uhr. Ankunft in Nuorgam war nach 170 Km. um 00:30 Uhr wobei ich ab Inari der einzige Fahrgast war. Wegen der späten Ankunftszeit, hatte ich in Nuorgam eine Hütte reserviert.

1. Tag Pulmankijärvi - Tsuomasjärvi (geplant)

Da der eigentliche Ausgangspunkt der Tour am Pulmankijärvi 20 Km. von Nuorgam entfernt liegt und ich diese Strecke nicht laufen wollte, war ein Taxi die einzige Möglichkeit. Leider war der Taxifahrer bis am Nachmittag ausgebucht und so war mir sofort klar, dass ich mein Tagesziel nicht erreichen würde. Sicherheitshalber hatte ich aber ein kleines Zelt dabei und somit war auch diese Problem gelöst.
Als ich dann endlich starten konnte, hatte wenigstens der leichte Nieselregen aufgehört und es wurde sonnig, erstmals. Unterwegs es war schon gegen Abend, begegnete ich einen Jäger und der machte mir klar, dass bald ein starker Sturm mit Regen aufkommen würde. Als ich ihm sagte ich hätte ein Zelt dabei, meinte er dies wäre nicht nötig, und er erklärte mir wo ich eine alte Hütte finden könnte, welche auf keiner Karte eingezeichnet ist.
Kurz vor der Hütte traff mich dann der Sturm noch mit aller Kraft und in ein paar Minuten hatte ich kaum mehr einen trockenen Faden am Leib. Als dann aber in der Hütte das Feuer im Ofen brannte kehrte auch meine gute Laune wieder zurück.

Blick zurück zum Start am Pulmankijärvi

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Der Weg scheint noch weit

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Der höchste Punkt des Tages ist erreicht und jetzt geht es ein Stück dem Rentierzaun entlang.

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Die "Notunterkunft" ist erreicht (Platz für 2 Personen)

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2. Tag Rest des Weges zum Tsuomasjärvi

Bei noch leichtem Nieselregen nahm ich nun noch den Rest des Weges zum eigentlichen Tagesziel vom Vortag unter die Füsse. Es ging stetig auf und ab und in den Niederungen von den Tälern waren jeweils die üblichen Sümpfe zu durchqueren. Da ich schon seit fast 40 Jahren in Lappland nur in Gummistiefeln unterwegs bin, behalte ich jedoch trotz der vielen Sümpfe und Bächen immer trockenen Füsse.

Unterwegs am 2. Tag

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Auf der Landzunge im See liegt die Hütte, doch davor sind noch zwei Sümpfe

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Es wird noch ein schöner Abend

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3.Tag Tsuomasjärvi - Tshaarajärvi

Es scheint einen regenlosen Tag zu geben aber es ist kalt und ein starker Wind mit orkanartigen Böen veranlasst mich, die Handschuhe und Wollmütze aus dem Rucksack zu nehmen.

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Blick zurück zum Tsuomasjärvi

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Wieder oben in den Hochebenen und da bietet nichts mehr Schutz vor dem starken Wind.

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Die Hütte am Tshaarajärvi

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4. Tag Ruhetag am Tshaarajärvi

Da es am Morgen wieder regnete und ein starker Wind dazu beitrug, dass man keinen Hund vor die Hütte jagen würde, entschloss ich mich einen Ruhetag einzuschalten. Ein ebenfalls in der Hütte anwesender Einzelwanderer aus DE leistete mir Gesellschaft. Da ich nun mit meinem Zeitplan 2 Tage im Rückstand war, stellte er mir sein Sat.-Telefon zur Verfügung und ich konnte meine Wirtin in Inari via meine Frau in Kenntnis setzen, dass ich nicht zur vereinbarten Zeit zurück sein würde und soweit alles in Ordnung sei.

5. Tag Tshaarajärvi - Huikkimajoki.

Das Wetter hatte sich soweit wieder beruhigt und ich konnte meine Wanderung fortsetzen. Die Tagesstrecke mit 9 Km. war kurz aber gespickt mit vielen Sümpfen und einigen Bächen. Da ich früh aufbrach, konnte ich mir Zeit lassen und mit meinem neu erworbenen Navi etwas
herumspielen. Die Nacht am Huikkimajoki war klar und ich konnte ein paar Polarlichter betrachten.

Wo wird das Tagesziel wohl sein?

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Immer wieder trifft man auf solche abgestorbene Birkenwälder. Die Bäume haben nicht etwa schon ihr Laub verloren, sondern sie wurden vor ein paar Jahren vom
Birkenspanner kahlgefressen und meistens unwiederruflich geschädigt.

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Bei der Huikkimajoki Hütte

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6. Tag Huikkimajoki - Iisakkijärvi.

Nochmals eine kurze Tageswanderung zum Iisakkijärvi. Der Weg hatte keine erwähnenswerte
Steigungen, nur waren wieder einige Sümpfe zu durchqueren.

Tagesbilder

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An der Iisakkijärvi Hütte

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7. Tag Iisakkijärvi - Opukasjärvi

Das Wetter hat sich wieder verschlechtert und so musste ich schon beim Start am Morgen einen Regenschutz überziehen. Ich konnte mich aber trösten, da die Tagesetappe nicht allzulang sein wird. Die hügelige Landschaft der Vortage ist nun von einem eher flachen Gebiet abgelöst worden und der Wald wird auch etwas dichter.

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Auf dem Weg musste auch ein Fluss mit einem Boot an einem Seilzug überquert werden.

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Bald darauf erreichte ich den Näätämöjoki, wo sich eine Feuerstelle befand und der Fluss bequem über eine Brücke passiert werden konnte.

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Das Tagesziel und somit die letzte Hütte auf der Strecke ist erreicht.Die Hüette ist in einem
sehr guten Zustand.

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8.Tag Opukasjärvi - Sevettijärvi (Schlusstag)

Heute ist nochmals eine etwas längere Strecke zu bewältigen Und die führt über Stock und Stein. Da es wiederum regnet, sind die vielen Wurzeln und Steine besonders glitschig.

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Es gibt auch wieder diverse nasse Stellen und Bäche.

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Diese Steine zu überqueren braucht bei der Nässe besondere Aufmerksamkeit.

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Das Ziel (nicht Endziel) ist am Friedhof von Sevettijärvi erreicht. Dort steht der letzte
Markierungspfahl der Pulmankiroute (unterer Bildrand).

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Für alle Wanderer ist das Endziel wohl die Bar von Sevettijärvi.

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Am nächsten Tag fuhr ich nach einer geruhsamen Nacht in einem richtigen Bett und einer Dusche mit dem Bus nach Inari zurück, wo ich mich noch einige Tage aufhielt um auszuruhen und Besuche zu machen.
Zuletzt geändert von Tenhola am 6. Okt 2012 19:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Kathi
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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Kathi » 6. Okt 2012 18:42

Danke für den Bericht und die Fotos. :elch:
Scheint eine schöne Tour zu sein, sollte ich mal für die Zukunft im Hinterkopf behalten.
Schade, dass das Wetter nicht immer ganz so toll war, aber die herbstliche Färbung war ja den Fotos nach trotzdem hübsch anzuschauen.
Nur ein Genie beherrscht das Chaos!
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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von St.Nitzsche » 7. Okt 2012 19:48

Sehr schöner Bericht wiedermal von Dir!
Wann war das Datum genau? Der Herbst war ja irgendwie im Osten eher als in Kilpisjärvi dieses Jahr? Aber trotzdem war es wieder eine sehr wechselhafte Ruska Zeit dieses Jahr wie auch 2011.
Die Bar von Sevettijärvi kenne ich auch noch. Ein irgendwie schöner einsamer Ort. Jedenfalls kann ich mich dort an die vielen Eichhörnchen und Vögel bei der Bar erinnern und gemütlich wars dort auch.
Das mit den kahlgefressenen Birken hab ich auch gesehen an anderen Orten...Danke für die Info dazu.
Grüße

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Sapmi
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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Sapmi » 8. Okt 2012 09:53

Superschöne Bilder, vielen Dank! Hab bis jetzt nur mal so drübergeguckt und noch nicht alles gelesen, muss ich dann noch mal ausführlicher machen.
Wo genau ist denn diese Notunterkunft zwischen Pulmanki und Tsuomasjärvi?
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jadisi
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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von jadisi » 8. Okt 2012 11:15

Hi,
du bist "seit 40 Jahren in Lappland mit Gummistiefeln unterwegs"? Also ich will mir gar nicht ausmalen, was ich für Blasen bekäme, wenn ich auch nur einen Tag mit dickem Gepäck in Gummistiefeln laufen würde. Hast du einen Trick wie du das verhinderst oder hast du einfach nur gesunde Hornhaut? :D

Liebe Grüße,
Janis
Wenn die Welt nur aus Erdbeertorte bestünde, wüsste man schon bald nicht mehr, wie Erdbeertorte wirklich schmeckt...

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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von IreneCH » 8. Okt 2012 13:06

jadisi hat geschrieben:Hi,
du bist "seit 40 Jahren in Lappland mit Gummistiefeln unterwegs"? Also ich will mir gar nicht ausmalen, was ich für Blasen bekäme, wenn ich auch nur einen Tag mit dickem Gepäck in Gummistiefeln laufen würde. Hast du einen Trick wie du das verhinderst oder hast du einfach nur gesunde Hornhaut? :D

Liebe Grüße,
Janis
Es gibt Gummistiefel und Gummistiefel. Ich habe auch welche, in denen ich stundenlang gehen kann, v.a. mit den richtigen Socken kombiniert.

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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Tenhola » 8. Okt 2012 15:40

@Sapmi, die Hütte liegt zwischen dem Weg und dem Bach, so rund 150 m nachdem der Weg wieder nach rechts vom Rentierzaun wegführt, ungefähr 8 Km. vom Pulmankijärvi entfernt. Der Weg ist auf dem zweiten Bild braun gezeichnet. Wenn man genau hienschaut, sieht man noch einen alten Pfad, welcher zur Hütte führt.
Habe die Hütte jetzt im patikka.net gefunden und der Name ist Miutijoki.

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@Jadisi, früher hat man in Lappland eigentlich niemanden ohne Gummistiefel gesehen. Damals waren es hauptsächlich gewöhnliche Nokias. In neuerer Zeit gibt es aber bei Nokia auch ausgeprägte Trekkingstiefel.
Persönlich trage ich einen Tretorn Outlast.
Wichtig ist, dass der Stiefel gut sitzt. Wie schon erwähnt wurde, sind die Socken sehr wichtig und sollten schon bei der Anprobe des Stiefels getragen werden. Ich trage als erste Schicht eine dünne enge Trekkingsocke und darüber eine etwas dickere. Damit findet die Reibung zwischen den Socken statt und nicht auf der Haut.

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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Sapmi » 8. Okt 2012 17:48

Danke für die Info zur Hütte. :D
Mit Gummistiefeln kann ich auch nicht laufen. Hab mir vor 15 Jahren mal welche in FIN gekauft, die angeblich gut zum Wandern sein sollten, aber selbst mit sämtlichen Socken komm ich damit nicht weit. Kann man echt abhaken. Vielleicht bräuche ich speziell geformte Einlegesohlen, weiß nicht.
In manchen Gegenden sind Gummistiefel sicher schon praktisch, andererseits würde ich, auch wenn meine Füße sie vertragen würden, nicht permanent mit den Dingern rumwandern wollen, sondern wenn, dann nur ab und zu bei Bedarf, denn normale Wanderstiefel sind halt doch bequemer, vor allem vom Klima her. Aber ich habe auch schon oft Finnen gesehen, die beides dabei hatten, also z. B. Gummistiefel an den Rucksack geklemmt oder so. Hm, weiß nicht, ob mir das nicht auch etwas zu schwer wäre.

Zu den Sümpfen auf der Strecke: Am schlimmsten fand ich bei meiner Tour damals diese Passagen auf der ersten Tagesetappe, also bis Tsuomasjärvi, weil es da noch nicht mal irgendwelche Steine gab, auch nicht unter dem Wasser. Da ging es mir schon gar nicht mehr um nasse oder trockene Füße, sondern ums Nicht-Steckenbleiben. Danach gab's auch noch ein paar Sümpfe, aber nicht mehr ganz so unangenehme, und ich glaube, ab Huikkimajoki keine nennenswerten mehr. War aber halt auch zu einer anderen Jahreszeit (Anfang August) und nach einer relativen Trockenperiode (weswegen ich mich damals gefragt habe, wie das erste Stück wohl aussieht, wenn es mal tagelang geregnet hat :shock: ).

Hast Du denn unterwegs noch mehr Leute getroffen, also außer dem Deutschen?

Und wie war das mit dem Seilzug-Boot? Hat das gut geklappt? Als ich zum ersten Mal dort war, hatten sie es glücklicherweise gerade abgebaut gehabt und stattdessen daneben bei der Gabelung eine Watstelle (also durch beide Arme) markiert. Als ich dann wieder hinkam und das Boot sah, wusste ich zum Glück noch, wo die mittlerweile wieder unmarkierte Watstelle verlief. Ich käme mir mit diesen Seilbooten ziemlich hilflos vor. Bin mal vor Jahren ein Stück am Lemmenjoki rumgewandert und bin umgekehrt, als es nur noch mit so einem Teil weitergegangen wäre.
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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Tenhola » 8. Okt 2012 19:49

Sapmi hat geschrieben:Hast Du denn unterwegs noch mehr Leute getroffen, also außer dem Deutschen?

Und wie war das mit dem Seilzug-Boot?
Während des Tages habe ich nur den Jäger getroffen und eine Frau zwischen Huikkimajoki und Iisakkijärvi.
Am Tsuomajärvi wollte ich mich gerade schlafen legen, als noch eine siebner Gruppe auftauchte. Die kamen sehr spät beim Eindunkeln, da sie 2 Etappen gemacht hatten und dabei die Strecke (22 Km.) mit einigen Sümpfen unterschätzt haben. Vier schliefen im Zelt und 3 in der Hütte.
Am Tshaarajärvi kamen am zweiten Abend 3 junge Finnen, welche die komplette Strecke in 3 Tagen auf dem Plan hatten. Ist natürlich machbar aber sicher nicht unbedingt ein Vergnügen und da bleibt zum fotografieren und für Pausen wohl keine Zeit. Ausser Esswaren, Schlafsack und einer kleinen Blache hatten sie nichts dabei.
Die folgenden 2 Nächte war ich alleine.
Ein spezielles Erlebnis hatte ich dann noch am Opukasjärvi. Ich war gerade fertig mit dem Nachtessen und sass gemütlich beim Kaffee, da bekam ich ein kommisches Gefühl. Hören konnte ich nichts und meine Neugierde liess mich die Türe öffnen. Draussen stand eine 18er Gruppe tropfnasser Wanderer von einer Wilderness Guide School aus Ostfinnland. Der Leiter fragte mich dann, ob es möglich sei, ein paar Sachen zum trocknen in der Hütte aufzuhängen. Ich sagte natürlich zu ohne zu ahnen, was da noch auf mich zukommen würde. Es muss vielleicht noch angefügt werden, dass nach den Bestimmungen von Metsähallitus so grosse Gruppen die Hütten ausser zu Pausen nicht benutzen dürfen.
Du kannst Dir vielleicht vorstellen wie es in einer solchen kleinen Hütte ist, wenn 18 Leute ihre nassen Kleider, 4 tropfnasse Schlafsäcke, ein paar Innenzelte und 18 Paar stinkende Schuhe plus Socken aufhängen und damit auch noch alle Schlafplätze (ausser meinem) belegen.
Damit die Sachen auch trocknen muss natürlich geheizt werden und die Luftfeuchtigkeit stieg sofort auf Dschungelklima. Also muss man auch alle Fenster und Türen öffnen. Es war einfach Sauna pur.
Ich habe mich dann noch lange mit den Leuten und vor allem mit dem Leiter unterhalten. Wenn man schon von einer Wildnissschule kommt, sollte man den Leuten doch auch etwas Basiswissen in Sachen Verpackung vermitteln, damit zB. ein Schlafsack nach einem Tag Regen noch trocken ist.
Nun so nach etwa 23 Uhr war dann alles trocken und die Hütte wieder ausgeräumt. Die Leute schliefen alle in ihren Zelten und auch ich kam noch zu meiner Nachtruhe.
Am nächsten Tag, ich war jetzt bereits in meiner Unterkunft (Reihenhäuschen der Sevettibaari) sah ich wie ein Wasserflugzeug landete. Diesem entstiegen dann 4 Mitglieder der Wildnisschule, welche nach nur einem Tag aufgeben mussten. Sie flogen vom Opukasjärvi für 300 € nach Sevettijärvi.

Noch etwas zum Boot. Etwas unerfreulich war nur, dass im Boot nach den Regentagen rund 30 cm Wasser stand. Die Bedienung ist sehr einfach. Man zieht an dem Teil des Seiles an welchem das Boot nicht angebunden ist. Nach meiner Meinung ist jedoch die ganze Seilaufhängung dort etwas zu hoch angebracht. Kleinere Leute wie ich können es kaum fassen, doch zum Glück lag im Boot ein hölzerner Hacken und damit konnte ich das Seil hinunter ziehen.

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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Sapmi » 11. Okt 2012 12:10

Tenhola hat geschrieben:Du kannst Dir vielleicht vorstellen wie es in einer solchen kleinen Hütte ist, wenn 18 Leute ihre nassen Kleider, 4 tropfnasse Schlafsäcke, ein paar Innenzelte und 18 Paar stinkende Schuhe plus Socken aufhängen und damit auch noch alle Schlafplätze (ausser meinem) belegen.
Jep, kann ich mir vorstellen.
Insgesamt ist das mit den ATs ja eine Supersache, aber da's halt für alle gratis ist, kann man schon mal Pech haben.
Und stimmt natürlich, dass so große Gruppen eigentlich nicht in so'ne Hütte sollen, aber das Trocknen der Kleider und sonstigen Sachen kann man ihnen halt auch nicht abschlagen. Gerade bei Regen hatte ich in der Vergangenheit auch schon "nette" Erlebnisse, bei denen dann auch nachts die jeweilige Hütte voll war, z. B. zu zwölft in einer Hütte für 6, zu neunt in einer Hütte für 4...
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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von saksade » 11. Okt 2012 18:54

Tenhola hat geschrieben:Wie jedes Jahr begann meine Lapplandreise mit einer Zugfahrt von Tampere nach Rovaniemi. Mein nächstes Ziel war Inari wo ich zuerst einmal Quartier bezog. Trotz schlechtem Wetterbericht entschloss ich mich dann, meine geplante Tour im Gebiet Kaldoaivi zu starten. Da die Tour in Nuorgam begann und in Sevettijärvi endet, liess ich das Auto in Inari. Um diese Jahreszeit verkehrt auf der Strecke nur einmal ein Bus pro Tag und der startet in Inari erst um 22:00 Uhr. Ankunft in Nuorgam war nach 170 Km. um 00:30 Uhr wobei ich ab Inari der einzige Fahrgast war. Wegen der späten Ankunftszeit, hatte ich in Nuorgam eine Hütte reserviert.
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Wunderschöne Bilder und Bericht. Danke Tenhola!

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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Myllyniemi » 12. Okt 2012 15:14

Sehr :elch: interessanter Bericht, wie gut muss man so eine Wanderung vorbereiten? Denke für Einsteiger ist diese Wanderung noch nicht geeignet, oder?

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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Tenhola » 13. Okt 2012 14:40

Diese Tour ist an und für sich nicht allzu streng. Die Tagesetappen liegen zwischen 9 und 14 Km. Man hat natürlich ein Rucksackgewicht von 15 - 20 Kg., wobei das auch davon abhängt, ob man alles selber tragen muss oder Sachen wie zB. das Zelt, Esswaren etc. auf zwei Personen aufteilen kann.
Metsähallitus empfiehlt diese Tour allerdings nicht für Anfänger, bzw. sollten sich Anfänger einer erfahrenen Person anschliessen. Dies wird hauptsächlich damit begründet, dass sich in diesem Gebiet die Wetterverhältnisse sehr schnell verschlechtern können.
Wichtig ist auch eine entsprechende Ausrüstung, wobei man auch bei einer Hüttentour wie dieser ein Zelt und Kocher dazu gehört. Es kann warum auch immer geschehen, dass man das Tagesziel einmal nicht erreicht und in der freien Natur campieren muss. Auch wenn der Pfad markiert ist, Orientierungshilfen wie Karten und Kompass (ev. Navi) sind selbstverständlich und natürlich auch der Umgang damit.
Wichtig scheint mir auch eine gute psychische Verfassung, denn man ist manchmal tagelang in der Wildnis alleine unterwegs und muss alle eventuelle Probleme selber meistern können.

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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Myllyniemi » 13. Okt 2012 20:28

:ok: Danke dir!
Muss man sich wenn man in den Hütten übernachten will anmelden oder geht man einfach in die Hütte auf gut Glück?

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Re: Herbstwanderung 2012: Nuorgam - Sevettijärvi

Beitrag von Tenhola » 14. Okt 2012 00:19

Für die Hütten braucht es keine Anmeldung. Wenn man in einem eher abgelegeneren, unbekannteren Gebiet unterwegs ist, hat man eigentlich immer Platz in den Hütten oder ist auch oft alleine.
In den Nationalparks sind die Hütten oft aufgeteilt in einen geschlossenen und einen offenen Teil. Für den geschlossenen Teil muss man sich anmelden und bekommt von der Parkverwaltung einen Schlüssel. Damit hat man dann auch garantiert einen Platz.
Habe dies jedoch noch nie gemacht, aber wie ich gehört habe, ist es auch nicht teuer.

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