Auswandern

Du beabsichtigst Deutschland den Rücken zu kehren und willst lieber in Finnland die Mücken zählen? Das will gut bedacht und vorbereitet sein! Hier kommen auch im "Exil" lebende Deutsche, Schweizer und Österreicher zu Wort.

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Jürgen
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Auswandern

Beitrag von Jürgen » #1 »24. Apr 2005 20:52

Hallo !
Ich bin neu in diesem Forum und erhoffe mir hier Hilfe zur Frage der Auswanderung nach Finnland.
Meine Lebensgefährtin ist Finnin und lebt seit 6 Jahren in Deutschland. Immer öfter sprechen wir über das Auswandern nach Finnland.Es wird nicht heute oder morgen passieren, aber in einem überschaubarem Zeitraum.Damit ich mich gut vorbereiten kann würde ich gern mit Deutschen kommunizieren, die diesen Schritt gewagt haben. Wie ist es euch ergangen und welche positiven oder negativen Erlebnisse hattet Ihr?
Ich habe gute Schützenhilfe durch meine Freundin ,aber die finnische Sprache zu lernen ist nicht so einfach.Bisher habe ich mich erfolgreich gedrückt, bloß das hilft mir sicherlich nicht weiter.Vielleicht habt Ihr auch Tips zu Literatur oder Sprachkursen.
Ich wäre froh wenn mir jemand zu diesem Thema Auskunft geben könnte.

Tschüß Jürgen
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Peter
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Re: Auswandern

Beitrag von Peter » #2 »25. Apr 2005 00:45

Hallo Jürgen,

erst einmal Herzlich Willkommen hier im Forum. Grundsätzlich beneide ich euch um den Entschluß nach Finnland auszuwandern. Ich habe schon viele Länder bereist; aber keines hat mich bisher so faszieniert wie Finnland. Das Einzige, was mich ein wenig betrübt ist der relativ kurze Sommer in Finnland verbunden mit der langen, dunklen Jahreszeit. Den Winter selbst mit seinen mitunter für uns äußerst tiefen Minusgraden macht mir nichts aus. Nein, es sind die wenigen Sonnenstunden im Herbst und Winter, die selbst manchen Finnen Trübsal blasen lassen. Dies umso mehr, je weiter man in den Norden kommt.

Durch den Umstand, das deine Lebensgefährtin Finnin ist, bist du natürlich anderen Auswanderungswilligen klar im Vorteil. Und trotzdem gibt es sehr vieles dabei zu bedenken. Schau dich einmal um hier im Forum, da wurde auch schon etwas dazu gepostet. Du bist hier mit deinen Zukunftsplänen nicht allein. Ich selbst bin kein Experte, was das Auswandern betrifft. Aber drei Dinge sind m.E. wichtig dabei wie nur irgendwas:

1. Du mußt die finnische Sprache soweit beherrschen, dass du dich am Arbeitsplatz und im Alltagsleben einigermaßen gut verständigen kannst. Hoffe nicht darauf, dass es mit dem Schulenglisch schon klappen wird. Erst die jüngere Generation hat in der Schule Englisch gelernt. Ab 40 Jahre aufwärts ist Englisch in Finnland so etwas wie Kisuaheli. In der Großstadt wie Helsinki warsch. nicht so sehr aber auf dem Land ist die Sprache echt ein Problem. Ich habe es selbst bei unserem letzten Aufenthalt in Antolla, das liegt in der Nähe von Mikkeli am Saimaa-See erlebt. Weder im Postamt noch in der Bank sprach ein Mensch Englisch. Mit anderen Worten: Du mußt Finnisch lernen. Am preisgünstigsten bieten das einige Volkshochschulen. Wenn eine in deiner Nähe ist, frag doch mal nach.

2. Du benötigst eine Aufenthaltserlaubnis (Antragstellung bei der örtlichen Polizeidienststelle). Und diese bekommst du nur, wenn du eine Arbeitsbescheinigung deines Arbeitgebers vorlegen kannst. Ganz wichtig: Die Aufenthaltsgenehmigung ist in der Regel befristet für die Dauer der Arbeitstätigkeit und wird nur erteilt, wenn der Einreisende selbst für seinen Unterhalt sorgen kann und nicht auf Sozialhilfe in Finnland angewiesen ist. Mit anderen Worten: Bei Arbeitslosigkeit erlischt die Aufenthaltsgenehmigung! Die finnische Staatsbürgerschaft kannst du übrigens erst nach sieben Jahren Aufenthalt in Finnland beantragen.
Fazit: Du brauchst einen sicheren Arbeitsplatz!

3. Alterssicherung. Diese Frage ist in Finnland genau so wichtig wie bei uns. Aus deinem Profil sehe ich, dass du fast 36 Jahre alt bist. Warst du bis jetzt durchgehend berufstätig? Hast du dir hier schon einen Rentenanspruch erworben? Wenn nicht, dann sieht es nicht gut aus bei dir im Alter. Lass dich da unbedingt bei deinem Rentenversicherungsträger (LVA oder BFA) ausführlich beraten. Ist die bei dir nicht vor Ort, frage im Rathaus deiner Gemeinde nach, wo die nächste Rentenberatungsstelle ist.

Sicherlich gibt es noch mehr Punkte, die beim Auswandern zu beachten sind. Die o.g. sind aber m.E. die Allerwichtigsten. Wenn du die müde lächelnd abhaken kannst, sieht es mit eurer Planung schon ganz gut aus.

Krambambuli

Nachtrag:Schau mal in den Beitrag von Naali: "Finnische Staatsangehörigkeit" im Themenbereich "Allgemeine Infos..."Da hast du zum Thema Einbürgerung bzw. finnische Staatsangehörigkeit noch genauere Angaben direkt aus Finnland!
Zuletzt geändert von Peter am 25. Apr 2005 15:54, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Auswandern

Beitrag von Jürgen » #3 »25. Apr 2005 18:27

Vielen Dank Krambambuli!
Wie ich sehe bin ich wahrscheinlich auf der richtigen Plattform gelandet um grundsätzliche Fragen zu klären.
Durchgehende Berufstätigkeit ist bei mir zum Glück bis jetzt kein Thema, denn von der derzeit herrschenden allgegenwärtigen Arbeitslosigkeit bin ich bis jetzt verschont geblieben.Das der damit erworbene Rentenanspruch für eine Altersvorsorge nicht reichen wird ist mir klar.
Einen Arbeitsplatz in der metallverarbeitenden Industrie sollte ich mit etwas Glück auch in Finnland finden.
Mein größtes Handicap ist , wie bereits erwähnt , die Sprache.Trotz meiner finnischen Freundin ist das auch nicht leichter wie für jeden anderen(etwas vielleicht schon).Deshalb würde ich gern von anderen ein paar Tips erhalten, wie man das am besten anpackt.VHS scheidet grundsätzlich aus , da Finnisch hier in Worms und Umgebung nicht angeboten wird-oder doch?Die bisher besten Bewertungen hat wohl das Lehrbuch "Yksi,kaksi,kolme". Wer hat Erfahrungen damit?
Außerdem wüßte ich gern wie es anderen Leuten ergangen ist, die diesen Schritt gewagt haben, denn ich bin kein Glücksritter und wüßte gern was auf mich zukommen kann.
Übrigens Glückwunsch zur Einrichtung dieses Forums, ich bin auf der Seite der DFG darauf gestossen(also war deine Werbung erfolgreich).
Wie du und die anderen Mitglieder sehen könnt bin ich nicht unbedingt schreibfaul und hoffe dasselbe auch von euch.
Ich bin für jede Beratung und auch Belehrung offen.
Tschüß Jürgen
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Kathi
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Re: Auswandern

Beitrag von Kathi » #4 »25. Apr 2005 20:29

Hi Jürgen,
ich habe auch das Yksi, kaksi, kolme. Es ist eigentlich sehr schön. Ich habe es allerdings erst gekauft, als ich schon mehr als die Hälfte des Hei Suomi Lehrbuchs durchgemacht hatte. Ein großer Vorteil ist, dass es sehr aktuell ist (im Hei Suomi sind teils Texte aus den 70ern). Auch Wörter wie Handy kommen im Yksi, kaksi, kolme vor. Das Buch zielt vor allem auf Dialoge ab, das hat mich ein bischen gestört (das im ersten Teil kein zusammenhängender Text stand). Aber das Unterhalten ist am Anfang schon am wichtigsten. Ist bei dir vielleicht auch einfacher, da du ja durch deine Freundin jemanden hast, mit dem du dich unterhalten kannst. Ich habe das ja im Selbststudium gemacht, weil keine Kurse angeboten wurden. Selbstgespräche machen halt nicht ewig Spaß. ;) Die CD ist auch gut. Im zweiten Buch des Yksi, kaksi, kolme gibt es auch Hörübungen, in denen etwas mehr Umgangssprache benutzt wird. Ist vielleicht als "Reality-Check" ganz gut (obwohl man mir gesagt hat, dass das mit der Umgangssprache noch viel extremer sein kann als dort). Zum Vokabelnlernen habe ich mir den "Teachmaster" runtergeladen, das ist ein ganz praktischer Computervokabeltrainer.

So, ich hoffe, du kannst mit meinen Tipps was anfangen. Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg.

MfG, Kathi
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Jürgen
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Re: Auswandern

Beitrag von Jürgen » #5 »25. Apr 2005 21:50

Hallo Kathi, vielen Dank für deine Empfehlung und ich werde mir das Buch bestellen.
Tschüß Jürgen

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Svea
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Re: Auswandern

Beitrag von Svea » #6 »26. Apr 2005 17:17

Ich besitze auch das Buch "Yksi, kaksi, kolme". Ich hatte mir das Buch auch erst gekauft, als ich mit "Hei Suomi" schon zur Hälfte durch war. Dementsprechend fand ich das Buch ziemlich langweilig. Als Einstieg (wenn man noch nicht Hei Suomi halb durch gearbeitet hat ;) ) finde ich es aber ganz okay...es ist längst nicht zu gut wie die Lehrbücher, die z.B. zu Englisch und Französisch verfügbar sind, von den Texten/Dialogen ziemlich einschläfernd und graphisch recht simpel. Aber unter den verfügbaren Büchern zu Finnisch zählt es meiner Meinung nach dennoch zu den brauchbaren Lehrwerken.
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Jürgen
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Re: Auswandern

Beitrag von Jürgen » #7 »26. Apr 2005 19:04

Also wenn ich euch so höre ist meine Entscheidung für "y,k,k" nicht die schlechteste.
Wie gut es wirklich ist wird der Praxis-Härtetest im 3wöchigen Sommerurlaub in Finnland zeigen.Zur Not habe ich ja immer meine persönliche Übersetzerin dabei.
Übrigens , ich bin sehr zufrieden mit meinen ersten Erfahrungen hier im Forum.Ich hoffe , das sich nach und nach immer mehr Mitglieder einfinden.
Was haltet ihr eigentlich davon?
Tschüß Jürgen

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Re: Auswandern

Beitrag von Kathi » #8 »27. Apr 2005 08:20

Was wir vom Forum halten? Also ich find's prima. In der näheren Umgebung findet man irgendwie nicht so schrecklich viele Gleichgesinnte, die auch Finnland-verrückt sind. *gg*
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Re: Auswandern

Beitrag von V » #9 »27. Apr 2005 11:48

1. Du mußt die finnische Sprache soweit beherrschen, dass du dich am Arbeitsplatz und im Alltagsleben einigermaßen gut verständigen kannst.
Finnisch/Schwedisch ist nicht in allen Berufen notwendig - technische Berufe (Programmierer, etc.) können auch englisch-sprachig sein - ich spreche fast kein Finnisch, komme hier aber super klar (Vaasa) - es ist also kein muss, jedoch sehr empfehlenswert.
2. Du benötigst eine Aufenthaltserlaubnis (Antragstellung bei der örtlichen Polizeidienststelle). Und diese bekommst du nur, wenn du eine Arbeitsbescheinigung deines Arbeitgebers vorlegen kannst. Ganz wichtig: Die Aufenthaltsgenehmigung ist in der Regel befristet für die Dauer der Arbeitstätigkeit und wird nur erteilt, wenn der Einreisende selbst für seinen Unterhalt sorgen kann und nicht auf Sozialhilfe in Finnland angewiesen ist. Mit anderen Worten: Bei Arbeitslosigkeit erlischt die Aufenthaltsgenehmigung! Die finnische Staatsbürgerschaft kannst du übrigens erst nach sieben Jahren Aufenthalt in Finnland beantragen.
Fazit: Du brauchst einen sicheren Arbeitsplatz!
Aufenthaltserlaubnisse sind nach meiner Erfahrung recht leicht zu bekommen - zumal Finnland EU Land ist. Man darf als EU Bürger ein halbes Jahr hier leben ohne sich melden zu müssen.
Aufenthaltserlaubnisse waren folgendermassen gegliedert:
1. Studienangelegenheiten: 1 Jahr
2. Verlobt/Verheiratet: 2 Jahre
3. Arbeitsplatz: 4 Jahre

Ich musste meine Aufenthaltsgenehmigung im März verlängern und allen Anschein nach hat sich für EU Bürger was zum positiven entwickelt - man bekommt eine permanente Aufenthaltsgenehmigung. Auch hier gilt - man sollte einen Grund angeben, Familie/Beruf/Studium. Arbeitsplatz ist also nicht unbedingt notwendig - jedoch sehr empfehlenswert, da man sich hier sonst zu Tode langweilen kann... (kommt aber auf den Typ an)

Ein weiterer Hinweis (falls das noch immer so ist): Jedem Ausländer steht zwecks Integration ein kostenloser 'einjähriger' Sprachkurs (6-8h/d?) zu - ich hatte das (leider) nie in Anspruch genommen, da ich dafür keine Zeit hatte - ist aber sehr zu empfehlen.

Des weiteren gibt es auch hier eine menge ABM Maßnahmen für Leute ohne Job - darauf würde ich mich aber nicht verlassen...

Mein Tip: Wenn man hier her kommt, sollte man entweder fachlich hochqualifiziert sein oder nicht vor sehr einfachen Tätigkeiten zurrück schrecken. Man sollte bedenken, dass es hier um die 10% Arbeitslosen gibt, die meist sehr gut qualifiziert sind...

Ich kenne hier auch ein paar Leute (Deutsche und andere Nationalitäten), die arbeitslos sind - teils auch länger - und die hatten bisher keine Probleme - außer von ABM zu ABM zu gehen...

Fazit: Alles nicht so schwer - der finnische Staat sorgt sich um Integration von Ausländern - jedoch: Wer in Detuschland nichts reissen konnte ist auch hier Fehl am Platz, da die Bildung hier ein Stücken höher ist, und man als Ausländer noch ein weiteres Problem hat (naja Aussnahmen bestätigen die Regel: siehe Roman Schatz). Problem sind evtl. nur die horrenden Umzugskosten und ein kleiner aber spürbarer Kulturunterschied (soll heissen hier gibt es nicht wirklich Kultur - sie kommt aber allmählich)


Noch ein Buchtipp:
Roman Schatz: From Finland With Love / Suomesta, rakkaudella - http://www.johnnykniga.fi/
Ein sarkastischer Einblick in die finnische Kultur - also das was dich hier erwartet (lustig zu lesen, und 'brutally honest'), geschrieben von einem Deutschen, der seit über 20 Jahren in Finnland lebt und hier eine Art 'Celebrity' ist, da er Deutsch Kurse und andere Shows im Fernsehen gemacht hat/macht.

Grüsse aus dem sonnigen Vaasa.fi
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Peter
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Re: Auswandern

Beitrag von Peter » #10 »27. Apr 2005 13:59

V schrieb am 27.04.2005 11:48
"...Ich musste meine Aufenthaltsgenehmigung im März verlängern und allen Anschein nach hat sich für EU Bürger was zum positiven entwickelt - man bekommt eine permanente Aufenthaltsgenehmigung. Auch hier gilt - man sollte einen Grund angeben, Familie/Beruf/Studium. Arbeitsplatz ist also nicht unbedingt notwendig - jedoch sehr empfehlenswert, da man sich hier sonst zu Tode langweilen kann... (kommt aber auf den Typ an)..."
Ich denke, dass auch vieles, wie bei uns in Deutschland, von den örtlichen Behörden abhängt und wie diese mit den geltenden Bestimmungen umgehen. Nur sollte man sich nicht darauf verlassen, dass überall die gewisse, vonV beschriebene Großzügigkeit herrscht. Ansonsten hat V Recht. Die Einreisebestimmungen haben sich seit Beitritt Finnlands in die EU gelockert. Ich habe hier mal ein paar interessante Links zu diesem Thema zusammengestellt. Obwohl die Quellen scheinbar aktuell sind, unterscheiden sich da teilweise die Angaben zur Aufenthaltsgenehmigung. Im Zweifelsfall würde ich bei der finnischen Botschaft nachfragen.

http://www.berufsstart.de/karrieretips/ ... nland.html

http://bak-information.ub.tu-berlin.de/ ... nninfo.htm

http://www.helsinki.diplo.de/de/informa ... index.html

http://www.finnland.at/doc/de/konsular/einreise.html

http://www.fb1.uni-siegen.de/polwiss/fi ... nnland.pdf

http://www.pori.fi/deutsch/info/arbeit/

http://www.ytk.fi/de/content.phtml

http://216.239.59.104/search?q=cache:9y ... land&hl=de

Krambambuli

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Klaus
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Re: Auswandern

Beitrag von Klaus » #11 »27. Apr 2005 15:58

Hallo Jürgen,

ich habe das Lehrbuch von Langenscheid. Ich muss sagen, die Grammatik ist sehr verständlich erklärt (soweit die im Finnischen verständlich ist). Auch die Texte sind ziemlich interessant und abwechslungsreich. Damit kann man sehr gut ein Selbststudium durchführen, zumal Aufgabenstellungen an den Lernenden gestellt sind und 2 Hörkassetten dabei sind.

Zu dem Beitrag von V kann ich bestätigen, dass man nicht grundsätzlich in allen Berufen von vorneherein Finnisch können muss. Oft reichen auch gute Englisch und/oder Schwedischkenntnisse für den Anfang aus. Oft wird aber erwartet, dass man mit der Zeit Finnisch lernt. Ist ja auch für einen selber von Vorteil, dann kann man wenigstens auch die Schilder und die Werbung lesen (wenn man sie denn lesen will :)) .

Ich beneide dich um deinen Entschluss, nach Finnland auszuwandern, vor allem, um deine finnische Freundin, dadurch hast du viele Vorteile. Ich war letztes Jahr im Mai in Finnland, habe ein Einmonatiges Praktikum im kaufmännischen Bereich einer Papierfabrik 80 km nördlich von Helsinki gemacht. Da habe ich mich in Finnland verliebt, ein wirklich schönes Land mit netten Leuten.

Ich wünsche euch alles Gute und viel Glück für eure weiteren Planungen!
Många bäckar små, blir en stor å.

Die Politiker von heute machen Politik nur für einen Tag. Und der Tag war gestern. (Dieter Hildebrandt)

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Re: Auswandern

Beitrag von Jürgen » #12 »27. Apr 2005 16:28

Klaus ,
vielen Dank für deine Wünsche.
Für mich hat die einigermaßen sichere Beherrschung der finnischen Sprache oberste Priorität.Wir waren nun schon mehrfach in Finnland und es war schon ziemlich unschön immer nur dabei zu sitzen und zu hoffen mal einen Brocken zu verstehen oder eine Übersetzung von meiner Freundin zu bekommen.Bis jetzt habe ich immer gedacht, es ist ja nur für 3 Wochen Urlaub und in Deutschland ist meine Freundin ja mehr oder weniger gezwungen im Alltag Deutsch zu sprechen.Aber inzwischen habe ich mich nun endlich durchgerungen intensiv die Sprache zu lernen , denn auf Englisch kann man sich auch nicht überall verlassen außer bei jungen Leuten oder vielleicht in internationalen Firmen.
Also versuche ich es erstmal mit "Y,K,K" und hoffe auf weitere Tips von Leuten die im Lernen schon einen Schritt weiter sind.
Mancher wundert sich vielleicht das ich trotz finnischer Freundin auf der Suche nach geeigneten Lehrmitteln bin , aber versucht ihr mal einem Ausländer die deutsche Sprache beizubringen.
Tschüß Jürgen

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Kathi
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Re: Auswandern

Beitrag von Kathi » #13 »27. Apr 2005 19:17

Ja, die Finnin, die mit mir übt, hatte vorher auch noch nie ein Finnisch-Lehrbuch gesehen und fand meins total interessant.
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Kerstin
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Re: Auswandern

Beitrag von Kerstin » #14 »2. Mai 2005 11:06

Hallo Jürgen,

ich selbst habe - bis vor kurzem - 7 Jahre lang in Finnland gelebt. Grundsätzlich ist zu sagen, dass der Art und Grund des Aufenthaltes in Finnland sehr entscheidend sind. Am offensten ist man Touristen gegenüber. Als Partner eines Finnen hat man auch noch einen guten Grund, in Finnland zu leben; ohne diesen ist man jedoch äusserst suspekt.

Die traurigste und letztlich entscheidende Erfahrung für mich war das nicht unerhebliche Mass an Ausländerfeindlichkeit in Finnland – etwas, womit man als Tourist oder als Nicht-Jobsuchender womöglich lange nicht in Berührung kommt. Viele Beschimpfungen (z.B. als „Ryssä“ oder Este) nimmt man auch gar nicht wahr, wenn man nicht Finnisch spricht. Selbst Finnen, die im Ausland z.B. studiert haben, werden mit vielen Vorurteilen konfrontiert.
In Finnland kann man recht schnell arbeitslos werden (meist ohne Abfindungen), selbst wenn man hochqualifiziert ist. Das Arbeitslosengeld beträgt, falls Du Dich zusätzlich privat absicherst (!), max. 42% Deines letzten Nettogehalts und das max. 2 Jahre lang. Nach einem Jahr Arbeitslosigkeit sind die Aussichten einer erneuten Einstellung äusserst gering.
Ausserhalb der Hauptstadtregion sind vakante Arbeitsplätze besonders dünn gesät und Beziehungen spielen eine umso grössere Rolle – ein weiterer Nachteil, wenn man Ausländer ist und daher nicht über das erforderliche Beziehungsnetz verfügt.

So schön Finnland ist – ich bin sehr schweren Herzens wieder gegangen – vor allem die Arbeitssituation hat mich wieder zurückgetrieben. Ich selbst bin Akademiker (BWL, intl. Ausrichtung), spreche und schreibe fliessend Finnisch, war jedoch in Finnland zweimal arbeitslos und musste bis zur erneuten Einstellung insgesamt über 150 Bewerbungen schreiben.

Von all den Ausländern, die ich im Laufe der Jahre in Finnland kennengelernt habe, war nur ein Bruchteil nicht komplett frustriert. Du hast mit Deiner Partnerin einen grossen Vorteil; allerdings gehst Du in ihre alte Heimat – zu ihren Freunden und Verwandten - und das kann auch Eure Beziehung entscheidend verändern. Wenn Job und Wohnung nach Finnland verlegt sind, bist Du sehr auf Deine Partnerin angewiesen, speziell dann, wenn Du nicht Finnisch sprichst; und im Zweifelsfall sehr (!) alleine.

In Finnland werden viele Mythen als die Wahrheit über Finnland und die Finnen gehandelt; viel ist jedoch oft nicht dran, z.B. an dem Mythos, es sei schwer, Freunde zu finden, aber wenn man einmal einen Freund habe, dann sei er ein Freund bis ans Lebensende. Meine Erfahrung ist die, dass wir z.B. in Deutschland viel offener miteinander umgehen und auch Probleme ausdiskutieren; in Finnland jedoch sortiert man „Freunde“ auch ganz schnell wieder aus, wenn sie nicht mehr den eigenen Bedürfnissen entsprechen. Man kann in Finnland durchaus echte Freunde und ganz wunderbare Menschen finden, aber wirklich Anschluss zu finden dauert ungleich viel länger als in vielen anderen Ländern, zumal es viel weniger Gelegenheiten zum sich Kennenlernen gibt (nur ein Beispiel: Viele Anlässe werden im Familienkreis gefeiert, bei denen bei uns stattdessen eine Party „steigen“ würde).

Mein Fazit: So schön das Land ist und so unkompliziert das Miteinander im Alltag und speziell auf der geschäftlichen Ebene, so mühsam ist es doch für Nicht-Finnen, nicht ewig Aussenseiter zu bleiben; Ausländer bleibt man immer, so Finnisch und integriert man sich selbst auch fühlt. Eine sehr dicke Haut, eine in Finnland wirklich gefragte berufliche Qualifikation sowie sehr gute Finnisch-Kenntnisse von Anfang an (hier hilft nur eiserner Wille sowie Lernen-Lernen-Lernen - das geht auch hervorragend als Autodidakt; Kurse finde ich reine Zeitverschwendung) sind m.E. absolute Voraussetzungen, um in Finnland dauerhaft von ganz grossem Frust verschont zu werden.

Ich drücke Dir die Daumen und wünsche Dir viel Erfolg!
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Peter
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Re: Auswandern

Beitrag von Peter » #15 »2. Mai 2005 13:19

Uff! Das, was du da schreibst Kerstin, klingt wirklich ernüchternd! aber ich finde es gut, dass du diese Erfahrungen, die du während deines 7-jährigen Finnlandaufenthaltes machtest, hier einmal unverblümt schilderst. Sicherlich muss es nicht jedem so ergehen wie dir. Bei jemand anderem kann es ganz anders (positiver) gelaufen sein. entsprechend würde dann sein Resümee ausfallen. Ich denke, dass sich Auswanderungswillige über eins klar sein müssen: Pionier- und Goldgräberzeiten sind vorbei. Man darf sich nicht durch die Schönheit der Natur, der Freundlichkeit Einheimischer Urlauber gegenüber (so habe ich sie erlebt) und anderen Äußerlichkeiten blenden lassen. Finnland ist einerseits ein hoch technisiertes Land, das technischen Fortschritt und Innovationen in vielen Bereichen kennt. Andererseits herrschen dort feste Strukturen und eine eher konservative Haltung gegenüber Ausländern. Die Arbeitslosenquote ist auch kaum anders als bei uns.- Hochqualifizierung garantiert auch keinem Finnen einen Arbeitsplatz. Kehren wir das Verhältnis doch einmal um: Da stellt sich ein finnischer Elektrotechniker, Maler oder Facharbeiter in einer deutschen Firma vor. Mit ihm buhlen aber noch 20 weitere Bewerber um den Arbeitsplatz. Ich behaupte einmal, dass der finnische Bewerber nur dann eine reale Chance auf eine Einstellung hat, wenn er 1. die deutsche Sprache fließend beherrscht (dies ist allerdings auch abhängig von der Art der Arbeit und ob z.B. mit Kunden verhandelt werden muß) und 2. mit seinen übersetzten Arbeitszeugnissen alle anderen Bewerber in den Schatten stellt. Dabei wird es hier wie dort mitentscheidend bei einer evtl. Einstellung sein, wo der Bewerber seine beruflichen Erfahrungen gesammelt hat. So hat hier ein Arbeitszeugnis der finnischen Weltfirma Nokia einen anderen Stellenwert als das eines unbekannten Familienbetriebes in Joenssu. Warum sollte dies in Finnland anders sein?

Mit anderen Worten: Sollte ich hier als Arbeitsloser keinen Job bekommen, wird es in Finnland aller Wahrscheinlichkeit nach nicht anders sein. Von Vorteil ist es sicherlich auch in Finnland, bei der Arbeitssuche auf ein bestehendes und ungekündigtes Arbeitsverhältnis verweisen zu können. Meine Schlussfolgerung: Erst nach Abschluss eines Arbeitsvertrages und genauer Kalkulation (kann ich mich bzw. die Familie mit dem Arbeitslohn ernähren) die endgültige Fahrt nach Finnland antreten. Sinnvoll ist es auch, sich hier in Deutschland eine Hintertür offen zu lassen (Eltern, Verwandte), für den Fall, dass es in Finnland nicht so klappt wie geplant. Ich muss ehrlich gestehen: Arbeitsloser oder Sozialhilfeempfänger wäre ich lieber in Deutschland.

So, was ich jetzt hier gesagt habe, soll Jürgen nun nicht von seiner Planung abhalten. Eigendlich erinnere ich hiermit nur an Dinge, die grundsätzlich und überall gelten. Wenn es ums Auswandern geht, sollte alles nur dreimal überlegt werden.

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Zuletzt geändert von Peter am 2. Mai 2005 14:46, insgesamt 1-mal geändert.

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